Klein, fein, ausgezeichnet
Ganz offiziell konnte Obfrau Irene Hauer - Karl stellvertretend für den Kulturverein
Strindbergmuseum die Urkunde "Museum des Monats" verliehen vom
Oberösterreichischen Museumsverbund entgegennehmen. Eine ganz besondere
Auszeichnung - dürfen sich doch nur qualitativ hochwertige und innovative Museen
mit dieser Auszeichnung schmücken.
Herzliche Gratulation!

Oberösterreichs „literarische Museumslandschaft“ präsentiert zahlreiche herausragende Schriftstellerpersönlichkeiten, wie Adalbert Stifter, Thomas Bernhard, Marlen Haushofer, oder Franz Stelzhamer. Einem international beachteten Literaten widmet sich das „August Strindberg Museum“ in Saxen, das im heurigen Jahr einen runden Geburtstag feiert. Zum zehnten Mal jährt sich die Gründung des einzigen, außerhalb von Schweden eingerichteten Museums, das sich schwerpunktmäßig dem Aufenthalt des Dichters in Oberösterreich, der Resonanz darauf in seinen Werken und der Pflege und Erhaltung des literarischen und kulturellen Erbes des schwedischen Literaten widmet.
Das Strindbergmuseum begeht sein 10jähriges Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen. Zu den Höhepunkten des heurigen Jahres zählt eine Wanderausstellung als Leihgabe des Strindbergmuseums in Stockholm unter dem Titel „Strindberg auf der Bühne“, die bis Ende Juni 2007 zu sehen ist.
August Strindberg (1849-1912) hinterließ der Nachwelt ein umfangreiches Werk von rund 60 Dramen, zehn Romanen, zehn Novellensammlungen und mindestens 8000 Briefen, was ihn zweifellos zu einem der produktivsten Autoren Schwedens macht. Neben seinem literarischen Schaffen widmete er sich aber auch der Malerei, der Mystik und der Alchemie. Zwischen 1893 und 1896 hielt sich Strindberg mehrere Male in Oberösterreich, bevorzugt in Saxen und Klam, auf. Er nützte die Zeit abseits der damals großen kulturellen Metropolen Berlin und Paris, um neue literarische und künstlerische Experimente auszuprobieren. 1896 schrieb er voll Begeisterung über die Gegend um Saxen: „Ich fühle mich hier mehr daheim als in Schweden.“
Im Strindbergmuseum in Saxen, dessen Gründung auf eine Initiative von Dr. Friedrich Buchmayr und der Gemeinde Saxen zurückgeht, erhält der Besucher einen erlebnisorientierten Eindruck von den Aufenthalten des Schriftstellers in Oberösterreich und den in Beziehung dazu entstandenen Werken. Die Dauerausstellung informiert über diesen interessanten Lebensabschnitt, beleuchtet die Bedeutung Strindbergs für die moderne Literatur, seine alchemistischen Neigungen und die komplizierte Ehe mit der in Mondsee 1872 geborenen Frida Uhl, der Tochter von Friedrich Uhl, dem Herausgeber und Chefredakteur der „Wiener Zeitung“.
Im Foyer des Museums trifft der Besucher auf riesige Granitsteine und überdimensional vergrößerte Aufnahmen der nahe gelegenen Klamschlucht. Als Einstimmung zum Museumsrundgang wird eine Video-Präsentation vorgeführt, die sich an Strindbergs Schilderung einer Wanderung durch die Klamschlucht orientiert und so die nach Innen gekehrte Welt des Dichters vermittelt. Im anschließend großzügig angelegten Schauraum des Museums, der auch für verschiedene Zusatzveranstaltungen wie Lesungen u.a. genutzt wird, präsentieren sich dem Besucher zahlreiche Originalbriefe, Fotos, Manuskripte und Originalobjekte. Die Präsentation der verschiedenen Themen verteilt sich auf sechs Vitrinenschränke mit integrierten Laden, die der Besucher selbst herausziehen kann und die jeweils unter einem bestimmten Motto, das Strindbergs Werken entnommen ist, stehen.
So werden beispielsweise die verschiedenen Facetten der ungewöhnlichen Ehe Strindbergs mit Frida Uhl anhand ausgewählter Briefe und Originalfotos dokumentiert und seine Aufenthalte in Saxen vom November 1893 bis August 1894 behandelt. Besonders hervorzuheben sind dabei Strindbergs fotographische Selbstportraits. Bemerkenswert sind auch jene Dokumente, in denen Strindberg ein okkultes nächtliches Verfolgungserlebnis in Saxen und Einblicke in seine alchemistischen Experimente schildert.
Einen besonderen Platz erhält insgesamt die bereits erwähnte Frida Uhl. Die Vitrine unter dem Motto „Lieb, Leid und Zeit“ beleuchtet das von Unglücksfällen geprägte Leben der Übersetzerin, Journalistin und Schriftstellerin. Nach der Scheidung von Strindberg versuchte sie sich als Übersetzerin und Journalistin durchzuschlagen und vor dem Ersten Weltkrieg gelang ihr sogar die Gründung eines Kabaretts in London, in dem literarische Größen wie James Joyce verkehrten.
Mitte der 1890er Jahre begann Strindberg mit wissenschaftlichen und alchemistischen Versuchen, u.a. versuchte er Gold zu machen. Es ist für diese Zeit auch eine Neuausrichtung in Strindbergs literarischem Stil festzumachen. Von Anarchismus, Realismus und Naturalismus hin zu Mystik, Symbolismus und Okkultismus spannt sich der literarische Bogen. Seine in dieser Zeit entstandenen Dramen haben die europäische Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst.
Als Literaturmuseum versucht das Strindbergmuseum nicht nur Originalobjekte in einem museal-konservierten Zustand zu präsentieren, sondern will auch die Offenheit des schriftstellerischen Werkes zeigen und den Besucher anhalten, sich selbst ein eigenes Bild des Aufenthalts von Strindberg in Oberösterreich zu machen.